Drehlagerung Newtontubus

Drehbare Lagerung eines Newtontubus

 

Ein großer Nachteil eines größeren parallaktisch montierten Newtonteleskops ist, dass der Okularauszug in sehr unbequeme Einblickpositionen gelangen kann. Vorteilhaft wäre es deshalb, wenn die Position des Okularauszugs geändert werden kann. Während kleinere Teleskope meist einfach in ihren Rohrschellen gedreht werden können, ist dies bei größeren Teleskopen (der Tubus unseres 12-zoll-Newtons wiegt fast zwei Zentner) nicht so ohne weiteres möglich. In alten Astrokatalogen von Zeiss-Jena kann man ein 300 mm Newtonteleskop finden, bei dem der Tubus in der Fernrohrwiege mit Kugellagern drehbar gelagert ist. Allerdings dürfte die dort vorgestellte Lösung die Möglichkeiten von Hobbybastlern übersteigen. Eine andere Variante ist die, dass nicht der gesamte Tubus drehbar gelagert wird, sondern dass nur der vordere Teil drehbar ist (z.B. wie beim Newtonteleskop N 150 von Lichtenknecker). Aber auch diese Variante dürfte, abgesehen von dem Problem der Justierstabilität,  nur schwer zu realisieren sein.

Eine nicht ganz so elegante, aber funktionierende Lösung ist, den Tubus mit Kugellagern drehbar in einer Holzkonstruktion zu Lagern (Bild 1).

 

 

Bild 1

 

Dazu wurde zunächst aus 28mm starken Multiplex ein stabiler Kasten gebaut. In die Stirnflächen des Kastens wird ein kreisförmiges Loch gesägt, dessen Durchmesser etwas größer als der des Fernrohrtubus ist (Bild 2).

 

Bild 2 

 

Wie in Bild2 zu sehen, werden mit vier M12-Gewindestangen Kugellager (Rillenkugellager 6002) so angebracht, dass der Tubus zwischen den Lagern drehbar gelagert werden kann. Die Gewindestangen, die sich in Bild 2 rechts befinden, sind dabei so verschiebbar, dass diese gegen den Tubus gedrückt werden können. Ein Durchrutschen des Tubus nach unten wird durch ein Kugellager verhindert, welches auf einem Holzring läuft (im Bild 3 oben).

 

Bild 3

 

Die Drehbewegung des Tubus kann durch einen Gurt gebremst werden, der im Innern des Holzkastens um den Tubus gelegt ist. Der Gurt kann mit einer Flügelmutter gespannt werden. In Bild 3 ist der Bolzen mit den Flügelmuttern am Kasten links zu sehen. Beim Anziehen der unteren Flügelmutter wird die gekonterte obere Flügelmutter festgehalten um ein Verdrehen des Gurtes zu verhindern (hier hätte man sicher mit etwas mehr Aufwand eine bessere Lösung finden  können, aber auch so wird der Zweck erfüllt). Durch den Gurt wird auch ein gewisses Spiel in der Lagerung ausgeglichen (die Oberfläche des Hartpapiertubus ist nicht besonders glatt) indem der Tubus fest gegen die unteren Lager in der Kiste gedrückt wird. Es wurde zunächst befürchtet, dass sich der Tubus durch das Festzurren verformt und die Justierung nicht mehr stimmt. Versuche haben aber gezeigt, dass der Tubus aus 10mm starken Hartpapier steif genug ist und sich der Justierzustand des Teleskops auch dann nicht ändert, wenn die Flügelmutter mit der Hand so fest wie möglich und dann noch mit einer Zange eine viertel Drehung fester angezogen wird. Wenn allerdings ein weniger steifer Tubus gelagert wird, müsste man untersuchen, ob sich dieser eventuell verzieht (um dem entgegenzuwirken könnte man z.B. den Tubus mit zwei Gurten fixieren, die sich jeweils am oberen und unteren Ende des Kastens in der Nähe der Lager befinden).         

Durch die drehbare Lagerung des Tubus kann jetzt der Okularauszug immer in eine zum Beobachten bequeme Lage gebracht werden. Dies ist ein beträchtlicher Gewinn an Beobachtungskomfort, da man auf eine Leiter verzichten kann und jetzt Objekte an jedem Punkt des sichtbaren Himmels in entspannter Position beobachten kann.