Ende des 19

Handfernrohre Ende des 19., Anfang des 20.Jh.

 

Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts waren vor allem folgende leistungsfähigen Fernrohrtypen verbreitet:

Doppelfernrohre nach dem Galileiprinzip, monokulare Auszugsfernrohre, terrestrische Doppelfernrohre nach dem keplerschen Prinzip mit Bildumkehr durch Linsen wie bei den Auszugsfernrohren, und seit 1994 binokulare Prismenfeldstecher.

 

Bild 1: Galileiglas D.F.91 von Voigtländer, Auszugsfernrohr, terrestrisches Doppelfernrohr, frühes Prismenglas von Zeiss

 

In Bild 1 ist links ist ein militärisches Fernglas nach dem Galileiprinzip mit einem Objektivdurchmesser von 56mm aus dem letzten Jahrzehnt des 19.Jh. abgebildet. Nach [2] ist die offizielle Bezeichnung des Glases „D.F.91“ bzw. D.F.91 für Art.“. Das Glas hat, wie bei Galileigläsern üblich, ein sehr kleines Gesichtsfeld. Die ersten binokularen Galileigläser wurden ca. 1820 angeboten. Bis zum Auftauchen der Prismengläser dominierten diese Gläser den Markt bei Doppelfernrohren. Ferngläser nach dem Galileiprinzip wurden trotz ihres kleinen Gesichtsfeldes noch bis in die Mitte des 20.Jh. sehr häufig angeboten. Ursache dafür dürfte der im Vergleich zu Prismengläsern geringere Preis gewesen sein. Danach wurden Galileifernrohre hauptsächlich nur noch als Theatergläser benutzt. Vereinzelt wurden Galileiferngläser noch als so genannte  „Sportgläser“ angeboten.

 

Das zweite Glas von links ist ein monokulares Auszugsfernrohr. Dieser Fernrohrtyp war das leistungsfähigste Handfernrohr im 19.Jh.

Das abgebildete Fernrohr ist ein kleineres Glas mit einem Ganzmetalltubus und  einem verkitteten Objektiv. Besonders für Fernrohre mit höherer Vergrößerung  waren Auszugsfernrohre bis in die zweite Hälfte des 20. Jh. verbreitet, bevor sie von Spektiven mit Prismenumkehrsystemen weitgehend vom Markt verdrängt wurden. Heute werden Auszugsfernrohre noch als Nostalgiefernrohre gebaut.

 

Das dritte Glas von links ist ein terrestrisches Doppelfernrohr. Dieser Fernrohrtyp war in seiner Leistungsfähigkeit durchaus den ersten Prismengläsern ebenbürtig. Allerdings bot dieser Fernrohrtyp keine weitere Entwicklungsmöglichkeit, da die Gläser mit steigendem Objektivdurchmesser sehr schnell unhandlich werden. Dieser Fernglastyp scheint in Verhältnis zu den anderen Typen nicht so häufig gebaut worden zu sein und verschwand schnell im 20.Jh..  

 

Im Bild rechts wird ein früher Prismenfeldstecher von Zeiss-Jena gezeigt. Während die ersten Gläser noch einen relativ geringen Objektivdurchmesser von höchstens 20mm besaßen, entwickelten sich die Prismengläser sehr schnell weiter und wurde mit Abstand der leistungsfähigste Fernrohrtyp. Bis in die Mitte des 20.Jh. waren Prismengläser allerdings sehr teuer, so dass diese für die meisten Normalverdiener unerschwinglich gewesen sein dürften. Trotzdem wurden diese Gläser aufgrund der Nachfrage seitens des Militärs in großen Stückzahlen gebaut. Nach dem 2.Weltkrieg dürften viele Militärgläser in private Hand gelangt sein. Die in der zweiten Hälfte des 20.Jh. aufkommenden preisgünstigen japanischen Gläser führten zu einer weiteren Verbreitung der Gläser. Steigender Wohlstand führte dann dazu, dass sich auch Normalverdiener Qualitätsgläser namhafter Hersteller leisten konnten.

Das im Bild dargestellte Fernglas mit 6-facher Vergrößerung wurde später neu lackiert und wahrscheinlich auch insgesamt überarbeitet. In dieser Form ist es auch heute durchaus noch nutzbar und schneidet im Vergleich zu manchem modernen Billigglas nicht schlecht ab.