Ferngläser von Zeiss-Jena in der DDR-Zeit

Ferngläser von Zeiss-Jena in der DDR 

 

Ferngläser waren in der ehemaligen DDR sehr beliebt. Besonders an der Ostsee wurde nach dem Mauerbau mit den Zeiss-Gläsern sehnsuchtsvoll in die verbotene Ferne geschaut. In den siebziger und achtziger Jahren trugen wesentlich mehr Urlauber einen Feldstecher mit sich als dies heute der Fall ist, obwohl die Gläser damals bezogen auf den Durchschnittsverdienst recht teuer waren. Bis in die siebziger Jahre wurde der Erwerb eines Fernglases in den Personalausweis des DDR-Bürgers eingetragen. So sollte verhindert werden, dass die doch recht guten und preislich gestützten Gläser als Tauschobjekte für Westgüter verwendet werden.              

 

Ende der 60-ziger Jahre produzierte Modelle

In der DDR wurden vor dem 2.Weltkrieg entwickelte Modelle mit Porroprismen in fast unveränderter Form mit lediglich teilweise neu berechneter Optik weiter gebaut. Eine Neuentwicklung war zunächst lediglich das 15x50. Erst in den 80-ziger Jahren kamen neu entwickelte Gläser mit Dachkantprismen auf den Markt. In einem Prospekt von 1969 [F1] sind folgende Porrogläser aufgeführt:

-          die Modelle mit Mitteltrieb Silvarem 6x30, Deltrintem 8x30, Binoctem 7x50, Dekarem 10x50, Pentekarem 15x50

-          die Modelle mit Einzelokulareinstellung Silvamar 6x30, Deltrentis 8x30, Binoctar 7x50, Dekaris 10x50, Pentekar 15x50

-          die monokularen Modelle Simpsilv 6x30, Deltrintmo 8x30, Binoctarmo 7x50, Dekarismo 10x50, Pentekarmo 15x50

Die Produktion der 6x30- und 15x50- Modelle wurden in den 70-ziger Jahren eingestellt.

 

 

Bild 1:  Die Porrogläser Silvamar 6x30, Deltrintem 8x30, Binoctem 7x50, Dekaris 10x50 und Pentekarem 15x50 (von links nach rechts)

 

Außerdem ist im Katalog noch der Kleinfeldstecher Turmon 8x21 aufgeführt.

 

 

Bild 2: Kleinfeldstecher Turmon 8x21

 

Zu der Zeit wurde von Zeiss-Jena noch das Theaterglas Theatis 3,5x15 und das militärische DF 7x40 gebaut.

 

 

Bild 3: Theaterglas Theatis 3,5x15

 

 

Bild 4: militärisches Glas DF 7x40

 

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde noch das sowohl als 6-fache Lupe als auch als Galileifernrohr 2,5x16 nutzbare Kleinfernrohr Tellup gebaut. Dieses praktische Kleinfernrohr wird in [3] erwähnt, ist aber im Katalog von 1969 nicht mehr aufgeführt, die Produktion scheint Ende der 60-ziger Jahre eingestellt worden zu sein.

 

 

Bild 5: Galileifernrohr Tellup 2,5x16

 

Der Bereitschaftsbehälter

Für die Ferngläser von Zeiss-Jena wurde ein praktischer Bereitschaftsbehälter geliefert. Dieser Behälter war ursprünglich noch aus echtem Leder, später aus Kunstleder. Obwohl noch andere Fernglasbehälter angeboten wurden, dürften die Bereitschaftsbehälter die am häufigsten benutzten Behälter gewesen sein. Das Fernglas war darin gut geschützt und man konnte außerdem das Glas immer schnell benutzen.

 

 

Bild 6: Dekarem 10x50 mit Bereitschaftsbehälter (rechts), Dekarismo 10x50 im Bereitschaftsbehälter für monokulare Gläser (hinten), Deltrintem 8x30 im Bereitschaftsbehälter neuerer Form aus Kunstleder (links vorn) 

 

Eine schlechte technische Weiterentwicklung 

Bei den 8x30 und 6x30 Modellen befand sich hinter dem Objektiv ein Tubus zur Verhinderung von Streulicht. Bei älteren Modellen war dieser Tubus aus Aluminium und ordentlich mattschwarz. Bei jüngeren Modellen (wahrscheinlich seit Anfang der siebziger Jahre) ist dieser Tubus aus glänzender Plaste. Während die ersten Plastetuben noch mattschwarz gestrichen waren, verzichtete man später auf eine Mattierung (der Lack war, wie vieles im Osten, Mangelware). Dadurch entsteht Streulicht, welches den Bildkontrast herabsetzt. Besonders bei Beobachtungen in der Nähe der tief stehenden Sonne stört dies erheblich. Leider sind davon alle MC-vergüteten Modelle betroffen.

 

 

Bild 7: Deltrintem 8x30 mit glänzendem Plastetubus (links) und älteres Glas mit mattschwarzem Tubus (rechts)