Porro Zeiss-Jena / Zeiss-Oberkochen

Porro Zeiss-Jena / Zeiss-Oberkochen

 

Während nach dem zweiten Weltkrieg von Zeiss-Jena die bewährten Porrogläser mit nur kleineren  Änderungen weiter gebaut wurden,  brachte Zeiss-Oberkochen 1954 vollständig neu entwickelte Gläser auf den Markt. Diese Gläser waren wesentlich kompakter als die Jena-Modelle. Bei den Jena-Gläsern wurde ein verkittetes Objektiv verwendet. Bei den Gläsern von Zeiss-Oberkochen waren die Objektive zweiteilig. Die Abbildungsgüte eines gegebenen optischen Systems hängt von den verwendeten Glassorten und der Geometrie der optisch aktiven Teile (den Linsenradien, Linsendicken und Linsenabständen) ab. Durch die Zweiteilung des Objektivs erhält man zusätzliche Freiheitsgrade für die Korrektur (unterschiedliche innere Linsenradien, ein zusätzlicher Linsenabstand) wodurch sich geteilte Objektive gegenüber einem Kittglied mit größerer Apertur korrigieren lassen und das Fernglas kann kompakter gebaut werden.

Im Bild 1 sind ein monokularer Feldstecher 8x30 von Zeiss-Jena und ein Monokular 8x30 von Zeiss-Oberkochen zu sehen, wobei das Glas von Oberkochen als zusätzliche Weiterentwicklung über ein Brillenträgerokular verfügt.

 

 

Bild 1: Monokular 8x30 von Zeiss-Jena (links) und Zeiss-Oberkochen (rechts)

 

Brillenträgerokular bedeutet, dass die Austrittspupille weiter hinter dem letzten Linsenscheitel abgebildet wird (Bild 2).

 

 

Bild 2: Abstand der Austrittspupille beim Zeiss-Jena (links) und Zeiss-Oberkochen (rechts)

 

Die Abbildungsgüte auf der Bildmitte ist bei beiden Gläser sehr gut. Das Glas von Zeiss-Jena hat ein etwas größeres Gesichtsfeld als das von Oberkochen, dafür ist es aber nicht randscharf, was beim Oberkochen-Glas der Fall ist. Obwohl die Porrogläser mit modernen Designmethoden erheblich verbessert werden könnten und die Konstruktion dieser Gläser nicht so viele Probleme aufwerfen wie Gläser mit Dachkantprismen, werden von Zeiss heute keine Porro-Gläser mehr hergestellt. Der Grund hierfür dürfte im Zeitgeschmack liegen, da heute offensichtlich Dachkantgläser mehr nachgefragt werden.