Ein Fraunhofer

Kein Fraunhofer

 

Joseph Fraunhofer ist besonders für seine größeren astronomischen Fernrohren und Heliometer bekannt. Diese astronomischen Instrumente waren die Voraussetzung für eine Vielzahl astronomischer Entdeckungen.

Ein sicher ebenso bedeutendes Ergebnis der Arbeiten Fraunhofers war, dass es möglich wurde, kleinere Fernrohre mit hervorragender Qualität in größeren Stückzahlen herzustellen. Die unter Fraunhofer und seinen Nachfolgern hergestellten Auszugsfernrohre dürften besonders für die Navigation auf See eine außerordentlich große Bedeutung gehabt haben. Bild 1 zeigt ein Auszugsfernrohr, welches in der Art der Fraunhoferschen Fernrohre im 19.Jh. hergestellt wurde.

 

Bild 1: Auszugsfernrohr 

 

Das Fernrohr ist auf dem letzten Auszug graviert mit „Utzschneider u Frauenhoffer in Münchn“.

 

Bild 2: Gravur auf dem letzten Auszug des Fernrohrs 

 

Da der Name von Fraunhofer hier falsch geschrieben wurde, stammt das Fernrohr höchstwahrscheinlich nicht aus der Werkstatt Fraunhofers. Der Antiquitätenhändler, von dem ich das Fernrohr erworben habe, hatte auch darauf hingewiesen, dass er für die Echtheit der Gravur keine Garantie übernimmt – zumindest kann man daraus nicht auf eine neuzeitliche Antiquitätenfälschung schließen. Die Gravur ist offenbar auch älteren Datums. Man könnte vermuten, dass es sich hier um eine Markenfälschung (bzw. eine gezielte Verwechslung) des Herstellers handelt. Dies ist aber nicht sehr wahrscheinlich. Obwohl das Fernrohr offenbar nicht aus der Fraunhoferschen Werkstatt stammt, ist es doch von recht guter mechanischer als auch optischer Qualität. Die Gravur hingegen ist nicht sehr präzise ausgeführt (z.B. ist der Schriftzug nicht auf grader Linie). Es ist zu vermuten, dass ein Hersteller eines Fernrohrs dieser Qualität sicher in der Lage war, die Gravur besser auszuführen (genauso hätte ein neuzeitlicher Antiquitätenfälscher, der die Gravur so gut hätte altern können, diese sicher besser gemacht). Gegen eine Markenfälschung spricht die Tatsache, dass der Hersteller über ein sehr profundes optisches Wissen verfügt haben muss und wahrscheinlich auch die korrekte Schreibweise des Namens von Fraunhofer kannte. So ist es eher wahrscheinlich, dass hier ein stolzer Besitzer sein Fernrohr durch die Gravur aufwerten wollte – zumal das Fernrohr tatsächlich mit einem echten „Fraunhofer“ verwechselt werden kann. Die Gravur wird ein Handwerker ausgeführt haben, der die korrekte Schreibweise des Namens von Fraunhofer nicht kannte.